Geschichtskurse im Museum Friedland

Perret    10. April 2018

Im Museum Friedland. Foto: Frau Perret

Passend zum Semesterthema Flucht und Vertreibung im Umfeld des Zweiten Weltkriegs unternahmen die beiden Geschichtsleistungskurse von Frau Richter und Frau Perret am 10.04.2018 eine Exkursion in das Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen, das seit 1946 ununterbrochen in Betrieb ist und im Laufe der Jahrzehnte etwa 4 Millionen Menschen als Durchgangsstation diente.

1,3 Millionen Menschen kamen alleine in den ersten drei Jahren nach der Gründung durch die Briten hier an. Sie waren Vertriebene, Flüchtlinge, Displaced Persons und heimkehrende Kriegsgefangene. Für die meisten war es nur ein Aufenthalt von wenigen Tagen oder Wochen, den sie im Lager verbrachten – für die Displaced Persons, z.B. ehemalige Zwangsarbeiter aus der damaligen Sowjetunion, war es aber auch Wohnort für mehrere Jahre. 1955 kamen die letzten in der Sowjetunion in Arbeitslagern internierten deutschen Kriegsgefangenen zurück – mit großem Bahnhof und dem Läuten der „Friedland-Glocke“ empfangen vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss.

In den Jahrzehnten danach waren es vor allem Spätaussiedler aus Polen und aus den Staaten der Sowjetunion, die in Friedland aufgenommen wurden, aber auch „Kontingentflüchtlinge“ aus Vietnam, Chile und anderen Ländern.

Erst 2016 wurde das Museum Friedland direkt im Bahnhofsgebäude eröffnet. Es bietet einen Überblick über die Geschichte des Grenzdurchgangslagers von seiner Gründung bis heute anhand vieler Dokumente, Fotografien, Gegenstände und Zeitzeugenberichten. Die Kurse besuchten jeweils mit einer eigenen Führung das Museum, das extra für uns geöffnet wurde, und machten einen Gang durch das Lager. Zum Abschluss durften wir in die „Nissenhütte“ hinein, die Zeugnis von den sehr einfachen Unterkünften in den 1940er Jahren ablegt – bis zu vierzig Menschen wurden in den typischen, halbrunden Wellblechbaracken untergebracht, von denen heute nur noch eine als Museumsstück aufgebaut ist.

Text: Frau Perret

In der Nissenhütte wurde schnell deutlich, dass sie weder vor Wärme noch vor Kälte gut schützt. Foto: Frau Perret

Die Geschichtskurse vor der Nissenhütte. Foto: A.-V. Jung