Kursfahrt nach Ostfriesland

Perret    6. November 2021

“Das alte Rettungsboothaus gleich hinterm Siel in Westeraccumersiel” – so lässt sich das CVJM-Haus beschreiben, in dem der Seminarfach-Kurs Physik vom 08. bis zum 15. Oktober 2021 unterkam. Unter der Leitung von Herrn Weigt und begleitet von Frau Perret verbrachte die Gruppe dort eine Woche, in der sie Ostfriesland von Wilhelmshaven bis Norddeich erkundete und auch das Emsland mit Emden und Papenburg nicht ausließ.

Die Zeit im Haus verlief allgemein sehr entspannt. Wir hatten viel Freizeit und konnten in dem großen Gruppenraum Wiis anschließen, um verschiedene Spiele zu spielen. Die Mario-Spiele waren dabei die beliebtesten. Außerdem konnte der Raum gut zum “Werwolf”-Spielen in großer Runde genutzt werden: Es wurde zum Ritual dieser Kursfahrt, jeden Abend dieses Spiel zu spielen und dabei alle möglichen Sonderkarten auszutesten. Auch ein weiteres Ritual entstand während der Zeit im Haus: das Vorlesen eines Gebetes vor jeder Mahlzeit aus unserem „Tischgebetetoaster“. Nach einer Begegnung mit einem Zeugen Jehovas in Wilhelmshaven lag die religiöse Stimmung in der Luft, der Gebete-Toaster wurde ausprobiert und bis zum letzten Tag verwendet. Das Essen wurde immer gemeinsam von einer Gruppe in der Küche zubereitet und anschließend serviert. Gegessen wurde immer erst als alle anwesend waren und das Tischgebet gesprochen wurde. Nach dem Essen hat jeder beim Abräumen mitgeholfen und eine andere Gruppe hat sich anschließend um den Abwasch gekümmert.

 

Am ersten Tag nach der Ankunft stand ein Ausflug nach Wilhelmshaven auf dem Programm. Hier bot sich zuerst sich zuerst die Möglichkeit, die Stadt zu erkunden und auch für etwas Shopping in dem ein oder anderen Geschäft war noch Zeit, bevor wir uns auf den Weg zum Marinemuseum machten. Hier gab es viel über die Entwicklung der deutschen Militärseefahrt zu erfahren, sowohl technische als auch historische Informationen werden vom 19. Jahrhundert an von der Reichsflotte über die Kriegsmarine bis hin zur heutigen Deutschen Marine geboten. Besonders anschaulich aber waren die Schiffe im Museumshafen. Wir sehen, wie beengt es in einem U-Boot zugeht und besichtigen im Gegensatz dazu noch Deutschlands größtes Museumskriegsschiff, die 134 Meter lange „Mölders“,  welche bis vor 18 Jahren noch im Einsatz war. Die Größe des Schiffs ist einerseits beeindruckend aber auch etwas beängstigend, wenn man sich bewusst macht, welche Wucht hinter den zahlreichen Abwehrsystemen des 4200 Tonnen schweren Stahlkolosses stecken. 

Nachdem wir uns in Dornumersiel und der Umgebung so langsam eingerichtet und eingefunden hatten, fiel uns eine Anzeige aus dem Internet ins Auge: Diesen Sonntag: 10. OSTFRIESISCHE STROHBALLEN-ROLLMEISTERSCHAFT!

Nach ersten stirnrunzelnden Blicken und darauf folgenden Späßen, war es letzten Endes so weit. Vier aus dem Kurs traten als Team Isernhagen an, voller Überzeugung, diese Meisterschaft zu gewinnen. Denn wer sollte schon hier draußen ein vernünftiges Team auf die Beine stellen können?

Mit großer Motivation gingen wir also auf den Festplatz, meldeten unser Team an und realisierten schnell, dass hier einige Teams schon sehr eingespielt sind und viel Erfahrung mitbrachten. Somit wurde uns klar, dass wir  das Ganze hier ein wenig ernster nehmen mussten als geplant, um die Meisterschaft mit einem würdigen Platz zu beenden.

Kurz zur Erklärung: die Rollmeisterschaft umfasst drei Spiele. Zuerst mussten wir uns darin erproben einen Strohballen, welcher übrigens um die 300 Kilo wiegt, den Deich hoch zu rollen. Um das Ganze anspruchsvoller als es bereits war, zu gestalten, mussten wir den Strohballen dabei in einer kleinen Kurve hoch zirkeln. Auf die Deich-Disziplin folgte das Slalom-Rennen. Der Strohballen musste eine Strecke von 80 Metern im Slalom hin und zurück gerollt werden. Die Meisterschaft endete in einem Sprint-Rennen von ebenfalls 80 Metern.

Somit standen wir da nun, erstaunt, wie ernst diese Meisterschaft genommen wird, dass ein Kamera-Team uns wiederholt für die Sat1-Regionalnachrichten interviewte, welche Taktik wir denn verfolgen würden und wie wir in die nächsten Rennen gingen.

Das einzige Problem dabei war nur, niemand von uns vieren hatte je einen Strohballen aktiv in einem Rennen gerollt. Dieses unerfahrene Rollverhalten unterstrich auch das Ergebnis unseren ersten Rennens. Nach einem explosivem Start gerieten wir von der Bahn ab, weswegen das erste Rennen mit einem vergleichsweise schlechtem Ergebnis für uns endete. Doch nach anfänglichen Problemen steigerten wir uns, tüftelten Pläne aus und hatten sogar eine Taktik für die nächsten beiden Rennen aufgestellt. Dies zahlte sich auch aus. Im Slalom-Rennen legten wir eine gute Zeit im oberen Mittelfeld hin. Das Sprint-Rennen konnten wir gar für uns entscheiden. Nicht einmal Uwe, Linienrichter und wichtigster Mann hinter dem Deich, hatte Einwände gegen unsere Top-Zeit. Letzten Endes belegten wir als Team Isernhagen von insgesamt 14 teilnehmenden Teams den 4. Platz. Das Treppchen wurde um eine Sekunde verpasst. Doch das ermöglicht uns ein neues Ziel für die Strohballen-Rollmeisterschaft im nächsten Jahr.

Der Dienstag begann ganz entspannt um acht Uhr morgens mit einem leckeren Frühstück. Es gab selbstgemachtes Porridge, Aufbackbrötchen und leckeren Kaffee. Von Norddeich aus sind wir mit der Fähre nach Norderney hinüber geschippert. Dort haben wir uns in mehrere Gruppen aufgeteilt und getrennt die Insel erkundet. So sind die einen zu Gosch, die anderen ins Kaffee gegangen und alle mehr oder weniger lange an den Strand oder durch die Dünen spazieren gegangen. Nachdem wir dann noch durch die Fußgängerzone gebummelt sind, ging es am Strand entlang zurück zum Hafen. Für einige gab es dort vor Abfahrt der Fähre dann noch einen Kaffee auf einer unglaublich schönen Terrasse. Nachdem sich wieder alle im Hafen eingefunden hatten, ging es mit der Fähre wieder zurück aufs Festland. Abends gab es dann köstliche Hotdogs und noch einen Rest der Burger vom Vortag. Abgeschlossen wurde der Abend wie immer mit ein paar spannenden Runden “Werwolf”.

Am Mittwoch sind wir nach Emden in die Emder Kunsthalle gefahren. Zur Zeit unseres Besuches fand eine Ausstellung der Künstler Josef Scharl, Hanns Ludwig Katz und Franz Radziwill statt. Die Kunstwerke dieser drei Maler beinhalteten die Thematik des ersten Weltkrieges, der Zwischenkriegszeit, der Emigration und der gesellschaftlichen Erfahrungen in der NS-Zeit. So gingen wir einmal die Ausstellung mit einer Führerin durch, welche uns die Bilder zeigte, erklärte und zum Teil deutete. So hatte Niclas, der den Kunst-LK besucht, die Möglichkeit sein Wissen endlich mal mit seinen Mitschülern zu teilen. Nach der Führung hatten wir die Möglichkeit noch einmal alles privat und ohne Zeitdruck anzuschauen, was uns ermöglichte die Gemälde genauer und länger anzuschauen, so dass man ganz neue Aspekte mit in Betracht ziehen konnte. Insgesamt war dies ein interessanter Einblick in das Leben der Kunst und gerade auch mit dem geschichtlichen Hintergrund eine spannender Zugang zu der besonderen Zeit in den 1920er bis 1940er Jahren, in der die Gemälde entstanden sind.

Am Donnerstag sind wir schon früh aufgestanden, da wir um neun Uhr bei der Seehundstation in Norddeich sein wollten. Dort angekommen haben wir erstmal die  im Watt aufgefundenen Kegelrobben-Heuler durch eine große Scheibe bei ihren akrobatischen Schwimmkünsten beobachtet, danach sind wir durch die Ausstellung gegangen, die das Leben der Seehunde und Robben und die Arbeit einer Seehundstation, in der verlassene Jungtiere etwa zwei Wochen lang aufgepäppelt und dann wieder ins Wattenmeer entlassen werden anschaulich darstellte. Nach anderthalb Stunden Aufenthalt haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht. Wieder zuhause in Westaccumersiel ist ein kleiner Teil der Gruppe ins Automuseum gefahren. Am Nachmittag war der Großteil noch in Aurich im Schwimmbad. Zum Abendessen haben wir selber Pizza gemacht und den letzten Abend mit ein paar Runden “Werwolf” ausklingen lassen.

Text: Nico, Moritz, Anna, Silvia, Michelle, Greta, Kevin, Arne, Felix, Thorge, Niclas, Olivier, I. Perret

Fotos: I. Perret